"Denken Sie immer daran, daß es überhaupt keine Selbstverständlichkeit ist, daß Sie in der Bundesrepublik, in Schramberg, in Freiheit leben, daß Sie nicht unter dem ständigen Druck psychischer Schikanen sich "freiwillig" entschließen müssen zum Eintritt in eine sogenannte "nationale Volksarmee", eine politisch-totalitäre Volkspolizei, eine Arbeitermiliz, in der Erscheinung der auf Partisanenkampf und Bürgerkrieg trainierten SED-Betriebskampfgruppen, eine kommunistische vormilitärische Jugendorganisation, die sich als "Gesellschaft für Sport und Technik" bezeichnet und in die FDJ". So formulierte Albert Frey, Jurastudent, Initiator und erster Vorsitzender der Jungen Union Schramberg-Sulgen (wie sie sich damals noch nannte) ein Einladungsschreiben an Schramberger Jugendverbände. Er hatte 1958 ein Semester lang in West-Berlin studiert und dabei hautnah das eingangs Beschriebene erfahren. Das Engagement in der Jungen Union war sein Beitrag, "um uns die im Grundgesetz und geltenden Recht verankerten Grundrechte zu erhalten".
Er lud deshalb nach intensiven Vorbereitungen auf den 15. November 1959 zur Gründungsversammlung der Jungen Union Schramberg in den kleinen Bärensaal. Über 60 Gäste folgten der Einladung. Unter ihnen Heiner Geißler (späterer Bundesfamilienminister und CDU-Generalsekretär), Erwin Teufel (heute Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg), Franz Sauter (späterer Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Rottweil-Tuttlingen) sowie die Bürgermeister Dr. Konstantin Hank und Arthur Bantle. 30 Zuhörer traten an diesem Abend der Jungen Union bei und wählten sogleich einen Ortsvorstand. Albert Frey wurde dabei von den Mitgliedern mit dem Amt des Ortsvorsitzenden betraut. Die wichtigste Aufgabe war, die Grundlagen für eine fruchtbare Arbeit zu schaffen. So hieß es z.B. in der Einladung zur ersten Ortsvorstandssitzung: "Darf ich Sie bitten, am Freitag einen tragbaren Geldbetrag für unsere Verbandskasse mitzubringen ? Als Vorstandsmitglieder, die das Vertrauen der Gründungsversammlung genießen, dürfen wir uns das abverlangen."
Gleich eine Woche nach der Gründung fand am 21./22. November 1959 der Landestag der Jungen Union Württemberg-Hohenzollern in Schramberg statt. Zu diesem Landestag sandten unter anderem Bundeskanzler Dr. Adenauer und Bundestagspräsident Dr. Gerstenmaier Grußadressen. In der folgenden Zeit trat die Junge Union weniger in die Öffentlichkeit, arbeitet aber intern, um sich als junge Gruppe erst einmal selbst zu festigen. Am 20. April 1960 fand bereits die erste Generalversammlung statt. Alberg Frey, der zunächst wegen seines Studiums in Tübingen ablehnte, wurde nach langen Debatten wieder zum Vorsitzenden, Helmut Link zu seinem Stellvertreter gewählt. Bei dieser Generalversammlung wurde auch der Antrag einstimmig angenommen, für die Themen "Ost-West-Fragen", "Kommunalpolitik" und "Wirtschaft" Arbeitskreise einzurichten, die auch im wesentlichen die Arbeit des folgenden Amtsjahres ausmachen sollten. Eine große öffentliche Veranstaltung wurde außerdem mit dem Bundestagsabgeordneten Dr. Schwörer mit dem Thema "Mittelstandspolitik" abgehalten. Der erste Vorsitzende der Jungen Union Schramberg, Albert Frey 1959.